Kuckuck-Kirmes in St. Johann Ein Waldvogel lieferte Spitznamen für ein Dorf
Am Sonntag nach Johannes dem Täufer (24. Juni) findet in St. Johann immer die Kirmes statt. Die Kirmes wird nicht wie allgemein üblich am Tage der Kirchweih abgehalten, sondern sie richtet sich nach dem Namensfest des Schutzpatrons der Pfarrei.
Die Kirmes erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Jeder will dabei sein, wenn der „St. Johanner Kuckuck“ geschlachtet wird. Der Volksmund weiß nämlich zu berichten, dass an den Festtagen der Kuckuck geschlachtet, gebraten und verzehrt wird.
Das ist natürlich eine Mär, die den St. Johannern angedichtet wurde. Sie denken nämlich nicht daran, den in unseren Breiten heimischen Waldvogel einzufangen und als Leckerbissen zur Kirmes aufzutischen. Die Ortsbewohner tun dem Vogel nichts zuleide, sie freuen sich vielmehr, wenn sein Ruf aus dem Walde schallt.
Trotzdem hat die Mär mit dem Kuckuck und der St. Johanner Kirmes einen Hintergrund. Das Kuckucksschlachten ist ein bildhafter Hinweis auf einen Vorgang in der Natur. Ende Juni stellt der Kuckuck das Rufen ein. Das Verstummen brachte der Volksmund mit der Johanniskirmes in Verbindung. Er unterschob den St. Johannern, sie hätten den Kuckuck gefangen und gebraten. Wie einfach die richtige Erklärung auch ist, die St. Johanner hatten ihren Spottnamen weg. Um dem Spott gleich die Spitze zu nehmen, wurde in früheren Jahren als erster Kirmestanz immer der Kuckuckswalzer gespielt. Hiermit gaben die St. Johanner zu erkennen, dass sie Spaß vertragen konnten. Pfarrer Peter Dillmann, ehemals Pastor in St. Johann, hat die Geschichte mit dem Kuckuck vor etwa 30 Jahren in ein kleines Lied über St. Johann und seine Bewohner eingearbeitet.
„O mein St. Johann, nichts dir gleichen kann; Heimatort so schön, an des Simmers Höhn. Menschen wohnen hier, wie ich wünsch’ sie mir: Freundlich, fromm und frei, lieblich, gut und treu. O mein St. Johann, nichts dir gleichen kann.
O mein St. Johann, nichts dir gleichen kann; steinreich wohnt man hier, zu beneiden schier: was das Herz begehrt, hier die Flur beschert, darum gilt’s Tag für Tag, wo ich weilen mag: St. Johann allein ist und bleibt mein Heim, St. Johann allein ist und bleibt mein Heim.
Kirmes ist es heut, freut euch, ihr Leut; in der letzten Nacht Kuckuck ward geschlacht. Still ist’s nun im Wald, alle merken’s bald, doch zur Frühlingszeit schallt es weit und breit: Kuckuck, hopsassa, bin schon wieder da.“
Heinrich Ackermann
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